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There's no place like London
2003 | Jim und Seb | Eine Striptease-Bar in Fulham, London
#1
2003 | Jim und Seb | Eine Striptease-Bar in Fulham, London

Würmer.
Jim kniff die Augen zusammen, führte die Zigarette zum Mund und ließ seinen Blick über die Menschen schweifen, die sich hübsch und ordentlich, typisch englisch in einer Schlange aufgereiht hatten, um eine Stunde darauf zu warten, dass sie sich endlich in einen stickigen, verrauchten, in dunklen Rot- und Grautönen gehaltenen Laden reinquetschen konnten. Dass ihnen ihr eigener Schweiß und der von Generationen vor ihnen, nach Alkohol und Knoblauch stinkend, aus ihren Poren gekrochen kam, sich langsam wie eine immerfeuchte Decke um die Tapete legte und ihnen schlussendlich auf die Köpfe tropften konnte. Dass sie überteuerte Getränke bezahlen und schlecht gemachte Brustoperationen begutachten konnten. Mit ihren kleinen Geldscheinen wedeln konnten, in der Hoffnung dass 'Honey' oder 'Cherry' oder 'Nadeschda', oder ein anderes Mädchen mit exotisch klingendem Namen nur zwei Minuten Aufmerksamkeit schenkte.


Jim stob den blauen Rauch aus der Nase und schnippt im selben Zug die Zigarette auf die Straße.
Idioten. Normale Menschen. Vorhersehbar und dröge.
Jims Blick zuckte zu zwei jungen Männern, vielleicht so alt wie er, vielleicht ein wenig älter. Sie standen recht weit vorn in der Schlange und hatten ihre Existenz schon bereits mit einigen Pints zu ertragen versucht. Jetzt standen sie vor seinem Club und waren auf Ärger aus. Die aggressive Körperhaltung, das laute Gelalle, die Distanzlosigkeit zu den anderen Leuten. Jim drehte sich um und die Seitentür, neben der er zuvor gestanden hatte, wurde augenblicklich von einem großen, glatzköpfigen Mann mit mehr Pockennarben als Gehirnzellen aufgezogen.
„Blauer Parka, rotes Haar. Schwarzer Mantel, blaues Brillengestell. Jetzt.“, zischte er dem Mann zu, während er sich durch die Tür drückte, peinlich darauf bedacht, nichts von dem kontaminierten Gemäuer mit seinem Anzug zu berühren. Sein Angestellter nickte, Jim betrat das Gebäude und die schwere Brandschutztür schlug hinter ihm zu.
Er konnte sich heute Abend keine Schlägerei vor seinem Club erlauben. Nicht, während er hier war. Nicht, während Waffen und Drogen im Hinterzimmer auf ihn warteten. Nicht, wenn er geschäftlich zu tun hatte.

Die Musik, die draußen vor dem Laden nur ein dumpfes Wummern gewesen war, war nun ohrenbetäubend laut, kroch in die Knochen und ließ das Herz stolpern. Jim schloss die Augen und ließ seinen Kopf von einer Schulter zur anderen Kreisen. Er hob die Hand und machte, immer noch mit geschlossenen Augen, eine kleine Handbewegung in Richtung der Bar. Sofort brach das nerven zerreibende Stampfen und Donnern der Musik ab und nach einer Sekunde setzte das markante Schnipsen ein, bevor sich Freddy Mercurys Stimme zu den ersten Takten von 'Killer Queen' erhob. Jim lächelte kühl und zufrieden und ließ die Hand sinken. Besser.


Caviar and cigarettes
Well versed in etiquette …



Jim öffnete die Augen und scannte den Raum nach der Person, die er suchte. Kadir Yadav, ein schleimiges Gewächs, Mitte Fünfzig. Roch immer nach zuviel billigem Aftershave, falsche Goldkettchen saßen auf dem Brusthaar das aus einem noch billigerem Hemd kroch. Er war der Besitzer dieses Ladens. Jim entdeckte ihn an einem der Tische, wo er gerade verträumt zu einer der Täänzerinnen hochsah und ließ lächelnd nochmals die oberen Halswirbel knacken, bevor er sich durch die Besucher schob, direkt auf den Mann zusteuerte. Yadav war zwar der Besitzer des Ladens – Aber Jim besaß ihn.
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#2
Sebastian war jetzt schon drei Monate aus der Armee raus. Langsam ging ihm seine Situation gehörig auf die Nerven. Er hatte nichts zu tun. Jeder Tag war wie der davor. Aufstehen, Trainieren, sich irgendeinen Dosenfraß reinziehen und dann in irgendeinen Laden gehen um sich erst mal Stoff zu besorgen. Scotch war das Mittle seiner Wahl gewesen um den Tag zu überbrücken bis die Pubs öffneten. In einigen Pubs hatte er sich bereits schon unbeliebt gemacht, anscheinend kam es nicht so gut an wenn man den Barkeeper die Hand halb zertrümmerte wenn er eine andere Vorstellung von einem doppelten Scotch hatte. Aber so hatte er wenigsten die Möglichkeit gehabt Londons Pubs eine nach der anderen kennen zu lernen. 

Heute war es ausnahmsweise mal keine Pub sondern ein Club, ein Stripclub um genau zu sein. Die laute Musik ging ihm zwar auf den Sack aber so laberte ihn zumindest keiner zu. Auch die Auswahl der Musik war alles andere als sein Ding, Sebastian war zwar nicht der typische Musikliebhaber aber gegen gute Klassik Rock oder Hard Rock hatte er nichts einzuwenden und dieser Techno klang eher als wenn ein Computer gerade einen Anfall hatte. Die leichten Damen interessierten ihn im Moment auch kaum, sein Interesse galt seinem Drink und davon zu viel wie möglich in sich rein fließen zu lassen. Das eine musste man diesem Laden aber lassen, die Auswahl der Single Malts war schon fast unglaublich und der Barmann hatte die gleichen Vorstellungen wie Sebastian was ein doppelter Scotch war.

Als er gerade seinen zehnten oder vielleicht auch fünfzehnten Scotch reinkippte stoppte abrupt die Musik. Nach kurzer Pause setzte neue Musik ein. Queen? dachte er überrascht. Er hasste Queen. Diese Schwuchtel Mercury war, als er ein Teenie, an der Schwulenkrankheit Aids gestorben. Waren die Gitarren doch manchmal ganz cool so versaute der Homo am Mikrofon die ganze Band. In der Airforce hat keiner Queen gehört und das letzte Mal das Sebastian sie gehört hatte war in seiner Jugend. Er drehte sich auf seinem Hocker und versuchte den Grund für die plötzliche Änderung von sterbenden Computern zu trällernden Schwuchteln zu finden. 

Da erblickte er jemanden der ihm wirklich vertraut vorkam. Ein zierlicher Mann in einem extrem teuren Zwirn. Als Sebastian ihn kurz von vorne sah wusste er sofort wer er war. Diese Augen hatte er nie vergessen. Nie wieder hatte er so dunkle Augen wie bei seinem alten Kamerade Jim Moriaty gesehen. Was für eine nette Abwechselung des sonst so eintönigen Abends. Da die Musik so laut war das er ihm unmöglich aus dieser Distanz zurufen konnte, stand er auf und ging in Richtung Jim. Als Sebastian in Rufreichweite war brüllte er los "Hey Dandy! Wenn du sone Schwuchtelmusik hören willst geh lieber nach Soho!".
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#3
Jim schob sich vorbei an alten Männern mit Bierbäuchen, jungen Männern mit Schweißrändern unter den Achseln, jungen Frauen mit Reizwäsche. Er hielt dabei instinktiv die Luft an, als ob er versuchte, nichts von dem, was diese Menschen an feuchter Haut, an Alkoholkondensation, an Rauch, an Knoblauch- und Drogenausdünstungen in die Luft stoben, in sich aufzunehmen. 
Immer nur Yadav im Blick. 

Yadav war mit den Zahlungen im Rückstand - aber das war nicht der Grund. Nicht, dass Jim zu diesem Zeitpunkt Zahlungen aus einem billigen Stripclub von einem billigen Stück Fleisch, dass sich Mensch schimpfte, benötigte. Er hatte genug Geld. Er wollte sie. 
Jim ließ Yadav nicht aus seinem Blick und gab mit der linken Hand ein Signal an zwei weitere Männer, die sich unter das "Feiervolk" gemischt hatten. Bleibt zurück, hieß das. Er brauchte keine grobschlächtigen Affen für Yadav. Zwar waren sie da, als Absicherung, aber Jim wusste - und Yadav wusste - dass James Moriarty allein genug Einschüchterung für ihn war. Was passierte, wenn man sich verspätete, das hatte er schon erfahren. Darum ging es nicht. Nein.
Jim war ... nun, "gut informiert" über Yadavs finanzielle und familiäre Situation. Und dies ließ er für sich Arbeiten. Wenn man so wollte, war Jim im Begriff dem Besitzer des Nachtclubs ein Angebot zu machen, dass er nicht ablehnen konnte. 

Yadav war nur noch wenige Meter entfernt und schien noch nicht das Raubtier zu bemerken, dass sich ihm näherte. Jim spürte wie dieses Dunkle, das er schon immer bei sich gehabt hatte, größer wurde, spürte, wie Zuckungen seine Nervenbahnen tanzen ließen, wie kleine blaue Blitze, die in die Extremitäten geschossen wurden. Jim war bereit zum Sprung.

"Hey Dandy! Wenn du sone Schwuchtelmusik hören willst geh lieber nach Soho!"



Jims Gedanken zuckten augenblicklich von seinem Ziel ab, zogen sich zurück und begannen wie auf einer Autobahn zu rasen und mehrmals die Spur zu wechseln. Er hatte die Bewegung hinter ihm nicht bemerkt, dafür war der Club zu voll mit wankenden Besuchern und tänzelnden Stripperinnen, zu laut, als dass er die Schritte der schweren Stiefel hätte bemerken können. Sein erster Gedanke galt dem Inhalt. Schon seit langem hatte ihn niemand mehr so angesprochen. Derjenige, der sich das traute war entweder neu in diesen Kreisen Londons - ein verwirrter Tourist vielleicht - oder dumm. Sehr, sehr dumm
Jim blieb stehen, regungslos, eine Hand leicht erhoben, die andere in die Hosentasche des teuren Westwoods geschoben. Stand einfach nur da und lauerte.

Kein Tourist. Die Stimme hatte einen schweren, schleifenden Cockney-Akzent, diese ganz speziellen Abhackungen in den Worten, dieses dumpfe und bäuerliche im Ton. Die Stimme .. die Stimme.
"Sieh an.", zischte Jim leise und der letzte Gedanke an Yadav verpuffte. Er war nur ein langweiliges, kleines, schmieriges Rädchen in Jims Uhrwerk. Ticktock ticktock. Und hier schien die Glocke zu kommen.
"Sieh an.", wiederholte er noch einmal gedehnt und drehte sich langsam auf dem Absatz, die Ledersohlen machten auf dem dreckigen Boden ein Geräusch, das nur er hören konnte.

Vor ihm, nur ein paar Meter entfernt, stand Sebastian Moran. Moran, dessen Dienste er vor knapp zehn Jahren in Anspruch genommen hatte, sein erster 'Vertrauter', wenn man so wollte. Der dümmliche, homophobe, treue, disziplinierte und präzise-arbeitende Sebastian Moran. Jim schob die zweite Hand zurück in die andere Hosentasche und ließ seinen Blick über seine alte "rechte Hand" wandern, sehr langsam und ohne ein Wort zu sagen. 
Er war breiter geworden, muskulöser. Der Dienst in der S.A.S. hatte ihn noch weiter geformt. Alles an ihm schrie "Soldat". Das Haar, auch wenn es schon länger keine Frisiermaschine mehr gesehen hatte, die Statur, die Haltung. Aber alles an ihm schrie auch "Alkoholiker". Die fahle Haut, die vor gar nicht langer Zeit sonnengegerbt gewesen sein musste. Die blutunterlaufenen Augen mit ihren dunklen Schatten. Der Blick war vernebelt, leicht getrübt. Aber da war auch die alte Kälte. Das Jagdfieber. Und ehrliche Freude. Unter all diesem Schmutz musste immer noch ein Soldat versteckt sein.

Schlendernd ging Jim einen Schritt auf Sebastian zu, legte dabei den Kopf leicht in den Nacken um dem Blick des Größeren standhalten zu können und zog eine Hand aus der Hosentasche. Er machte eine unbestimmte Bewegung und die Musik wurde etwas leiser.
"Tiger. Tiger, Tiger, Tiger, Cleverness war noch nie deine Stärke.", sagte er leise und ließ jedes Wort einzeln von der Zunge rollen.

Sebastian Moran. Tatsächlich.

"Aber so dumm kannst nicht mal du sein." Er blieb direkt vor Moran stehen und hob die Augenbrauen, lächelte das alte, kühle Lächeln. "Lange nicht mehr in London gewesen, was?"
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#4
Den Weg zu Jim hatte er sehr stabil hinter sich gebracht und hatte höchsten zwei Leute angerempelt aber jetzt wo er vor Jim stand hatte sich anscheinend der ganze Scotch in seinem Körper gut durchgemischt und er merkte wie er ein wenig wackelig auf den Beinen wurde. Bis auf Fluchorgien und einer "etwas" herabgesetzten Hemmschwelle für Gewalt hatte er eigentlich immer einen recht klaren Verstand. Doch mit dem Körper sah das oft ein wenig anders aus. Dem konnten man sagen wie man wollte das man noch ziemlich nüchtern war aber dieser interessierte sich meist nie dafür was man ihm dann sagte. Bisher war er aber auch noch nie so Besoffen gewesen das er seinen Körper gar nicht mehr unter Kontrolle hatte und zumindest konnte er sich immer auf seine Reflexe verlassen. Manch eine Schlägerei hatte er viel besoffener ausgetragen. 

Sebastian sah den kleinen Mann an und war erstaunt was für eine Präsenz von ihm ausging. Manche Männer hatten einfach eine Ausstrahlung die sagte "leg dich lieber nicht mit mir an" und Jims war wirklich ausgeprägt. Früher hatte er schon sowas an sich aber lange nicht so ausgeprägt wie jetzt in diesem Moment. Nunja sie sind beider erwachsen geworden. Sebastian, der damals schon muskulös und geschickt war, hatte seine Masse und seine Fähigkeiten seit dem sie sich das letzte mal gesehen haben noch viel mehr gestählt. Aber auch Jim wirkte etwas anders als früher. Er wirkte noch viel Selbstbewusster und damals dachte Sebastian schon das kein Mensch noch selbstbewusster sein konnte. Da hatte er sich aber ganz offensichtlich geirrt.

Hätte ihn jemand anderes dumm genannt dann wäre schon längst Sebastians Faust dort wo die Beleidigung her kam. Doch Jim war jemand anderes. Die beiden waren mal richtig gute Kameraden gewesen und so ein kleiner Schlagabtausch mit Beleidigungen war das beste was man tun konnte um so eine alte Kameradschaft wieder aufleben zu lassen. Sebastian fragte sich wirklich was Jim hier machte, so einer wie er würde nie ohne Grund in einen solchen Laden gehen. Aber vielleicht hatte sich das auch geändert, was er sich aber schwer vorstellen konnte. 

Sebastian merkte wie der Scotch auch seinen Mund leicht unter Kontrolle hatte. Als er anfangen wollte was zu seinem alten Kamerad zu sagen merkte er wie schwer seine Zunge in seinem Mund lag. Er versuchte sich ein wenig zu konzentrieren um nicht wirklich wie ein Trottel zu wirken "Jim wie lang haben wir uns schon nicht mehr gesehen?" ein bisschen stolperte er doch über seine Zunge und da er gerade sich stark darauf konzentrierte vernünftig zu sprechen fing er wieder ein wenig stärker an zu schwanken. Es waren wahrscheinlich doch eher zwanzig Scotch gewesen, plus der Flasche die er zuhause getrunken hatte. "Wie läufts bei dir? Machst du immer noch.." da er unauffällig wirken wollte hielt er eine Hand neben seinen Mund "naja du weißt schon.". Früher waren sie wie Drogenbarone und dann hatten sie sich aus den Augen verloren aber vielleicht war Jim ja noch im Geschäft.
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#5
Jim musterte sein Gegenüber stillschweigend, während Sebastian mit spürbarer Konzentration die Worte aus seinem Mund quälte.
Wieviel Promille würde der Soldat wohl haben? Jim überschlug schnell die Größe, das Gewicht und die Muskelmasse. Früher hatte Sebastian gerne ... nun, alles getrunken. Aber das hier war anders.
Langsam schob Jim die Zungenspitze zwischen die kleinen, weißen Zahnreihen und runzelte die Stirn. Drogenkonsum schloss er aus, das hatte er in seiner Jugend - ihrer Jugend - zu genüge gesehen. Tat es immer noch. Nein, nein. Alkohol, aber hochprozentig. Stark. Und vor allem viel.

"Sieben Jahre.", antwortete Jim knapp auf Sebastians Frage und fuhr sich langsam mit der Zunge über die Schneidezähne, eine Geste die er sich irgendwann angewöhnt hatte: Zähne blecken. Das gab ihm immer einen besonders herablassenden Ausdruck und Jim liebte es damit zu spielen.
Mit hochgezogenen Augenbrauen wich er einen halben Schritt zurück, als Moran ihm näher kam und mit der Hand seinen Mund zur Seite hin "abdeckte". Himmel. Er musste etwas auf den Kopf bekommen haben bei der S.A.S.. Jim versuchte sich zu entsinnen, wie Sebastian früher war, ließ dann aber mit einem Schulterzucken davon ab. Früher. Früher fühlte sich wie in einem anderen Leben an.

Da durchzuckte Jim ein anderer Gedanke. Ein ... gefährlicherer. Er richtete sich weiter auf und schwieg. Schweigen war eine unfassbar einfache, aber wirksame Waffe. Sechs Sekunden Stille nach einer Aussage erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass die eben noch sprechende Person einfach weiter redete um 76%. Menschen waren einfach. Berechenbar. Sie hielten Stille einfach nicht aus. Stille hatte immer etwas Unangenehmes, Bedrohliches. Die meisten Menschen redeten sich nach 6 Sekunden mit James Moriarty um Kopf und Kragen.
Sebastian nicht.
Jim beschloss die Spur zu wechseln und feixte. "Kinderspiele? Nein. Nein, Basher." Er beobachtete die Reaktion seines Gegenübers auf den alten Spitznamen - und Jim hatte viele davon für ihn.

Die Aussage war unverfänglich. Dünnes Eis. Jim balanciert auf den Drahtseil und es machte ihm Spaß, aber zunächst galt es herauszufinden, wer Sebastian Moran war. Jim wusste exakt, wer er vor sieben Jahren gewesen war - Aber nun? Der exzessive Alkoholkonsum, seit mindestens zwei Monaten, schätzte Jim, sprach zwar für etwas anderes, aber Jim war gerade im Begriff von der Spitze des Eisbergs, wo er angefangen hatte, in tiefsten Tiefen, zum Ende hinabzusteigen. Dort wo es dunkel und sehr, sehr kalt war. Dunkle Gewässer brachten Raubfische mit sich. Jim war momentan der größte in seinem Meer, aber man konnte nie wissen. Er wollte keine Fehler hier.

"S.A.S., wenn ich mich recht erinnere?", fragte er rhetorisch und machte eine einladende Geste in Richtung einer Ecke des Clubs. Dort, zwar nicht versteckt, aber nichtsdestotrotz außerhalb des Blickfeld der meisten Besucher, stand ein kleiner, hölzerner Tisch auf einem Podest. Zwei dicke Ledersessel waren darum geordnet. In dem Moment, wie er seine Geste beendete, nahm er aus den Augenwinkeln wahr, wie sich schon eine Kellnerin in Richtung des Tisches bewegte.

Er wandte sich in Richtung des Tisches und während er sich seinen Weg dorthin bahnte, sprangen tausende kleine Punkte vor seinem inneren Auge hin und her. Linien und Bahnen bildeten sich dazwischen, wurden neu beschrieben, lösten sich wieder, verbanden sich mit neuen Punkten.
Sebastian Moran war schon als Kind ein Soldat gewesen. Es war nicht verwunderlich, dass er diesen Weg eingeschlagen hatte. Welches Interesse hatte er an seinen Geschäften? Plauderei? Neugierde? Oder wollte er etwas anderes? ...
Möglich, aber unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher war es wohl, dass er aus anderen Gründen hier gestrandet war und sich in schwanzwedelnder Art nur freute, sein altes Herrchen zu sehen.

Jim glitt in einen der braunen Sessel und zog ein flaches, anthrazit-glänzendes Zigarettenetui aus der Brusttasche. "Ist deine Sehnsucht nach mir zu stark geworden, oder gibt es andere Gründe um wieder in London zu sein?", nahm er das Gespräch wieder auf und ließ erneut die Halswirbel knacken.
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#6
"Sieben Jahre? Ach du scheiße!" bemerkte Sebastian. Ihm kam es gar nicht so lange vor doch war die Zeit beim S.A.S verflogen und die letzten drei Monate kamen ihm länger vor als die Zeit bei der Army. Die zivile Welt hatte einfach nicht das zu bieten was er wirklich wollte. Er wollte Aktion, irgendwas zu tun. Die Anspannung wenn man einem Feind gegenüberstand der einen hätte töten können war einfach einmalig. Er wusste zwar das er viel zu gut ausgebildet war das ihm irgendjemand etwas anhaben konnte aber das Zischen und Pfeifen der Kugeln die über seinen Kopf hinweg flogen war einfach unvergleichbar. Lieber wäre er wieder in Mali oder im Irak gewesen als so unnütz in London zu sitzen. 

Sebastian betrachtete Jim als der relativ lange schwieg. Es kam ihm ein wenig komisch vor aber naja manchmal war Jim so, daran konnte er sich noch erinnern. Doch dann redete der kleine wieder und meinte das er keine Kinderspiele mehr machen würde. Kinderspiele?. Das was sie damals machten war mehr als nur Kinderspiele. So wie sich Sebastian erinnern konnte hatten sie einen ziemlich gut laufenden Drogenhandel und er hatte viele Leute die ihnen im Weg standen seine ganz besondere Behandlung gegeben. Das waren keine Kinderspiele sie hatten ihre kleine zwei Mann Mafia. Sebastian fragte sich wenn Jim das als Kinderspiele wahrnahm was er denn jetzt machte. Jim hatte ihn bei einem seiner alten Spitznamen genannt, Basher. Er musste schmunzeln, Jims Spitznamen hatten immer etwas sehr cooles an sich und genauso cool fühlte er sich dann auch immer. Basher war einer seiner liebsten Namen denn er hatte etwas rohes und männliches an sich. "Basher? Den Namen hatte ich schon fast vergessen." er lachte kurz und leise. 

Jim fragte nach der Army. Sebastian wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und ihm von seinem Rausschmiss erzählen. Während er Jim fragte zeigte er auf eine kleine Sitzecke. Er war anscheinend wirklich immer noch ein guter Kamerad und wollte auch ein bisschen über dies und das quatschen. Sebastian nickte kurz und ging dann zu dem Tisch wo Ledersessel standen "Ja S.A.S." sagte er auf dem Weg dorthin. Er rückte den schweren Sessel ein wenig zurecht, fiel dann hinein und machte es sich bequem. Langsam setzte er wieder an von seiner Geschichte bei der Airforce zu erzählen "Scharfschütze um genau zu sein." er gab immer gerne ein wenig damit an das er bei einer der besten Einheiten Englands berühmtester Special Forces gewesen zu sein. Er war ja auch Stolz darauf gewesen das er so ein guter Schütze war. Es gab nicht viele Menschen die so gut schossen wie er und beim S.A.S. war er der beste also hatte er auch guten Grund stolz zu sein. Jeder Mensch gab mit irgendetwas an und Sebastian, so dachte er, hatte auch Recht damit anzugeben. "Ich war in Mali und im Irak" fügte er hinzu "Was hast du denn die letzten sieben Jahre getrieben?". Seine Neugier war wirklich groß denn er wusste das aus diesem Mann irgendetwas großes werden musste. So Jung hatte Jim schon so ein unfassbares Gespür für Geschäfte gehabt.

Als sich Jim eine Fag anzündete bekam auch Sebastian Lust und sagte kurz "Gute Idee." und tastete seine Taschen nach seinen Zigaretten ab. Als er sie gefunden hatte steckte er sich sofort eine an. Wie er damals schon wusste rauchten alle bei der Army und seit dem er da gewesen war ist er zum Kettenraucher mutiert. Trotz miserabler Lunge war er sportlich wie eh und je. Die Frage ob er Jim vermisst hatte oder was der Grund für seine Anwesenheit war brachte ihn kurz zum Lachen "Klar hab dich total vermisst." witzelte er. Doch die wahre Antwort zu dieser Frage war ja eine ganz andere. Sebastian wusste das er Jim vertrauen konnte und das er ihm ruhig die Wahrheit erzählen durfte. "Naja es hat sich rausgestellt das die beim S.A.S. doch nicht so harte Burschen sind und nicht mal einen kleinen Streit aushalten. Lange Rede kurzer Sinn. Die Spasten haben mich rausgeschmissen.". Abwartend sah er Jim an und zog seiner Fag.
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#7
Der Soldat zündete sich ebenfalls eine Zigarette an als Jim das alte Gasfeuerzeug, das er schon zu ihrer gemeinsamen Zeit benutzt hatte, klicken ließ und die nach Benzin riechende Flamme an sein Gesicht führte.
Sebastian druckste nicht herum, das hatte er noch nie getan. Ganz offenbar war die S.A.S. ein unangenehmes Thema und Jim beugte sich interessiert vor, als er sich dazu entschied, es ihm zu erzählen.

Nein. Nein, das war kein Polizist oder etwas in der Art. Jim kannte Polizisten - Und sie hatten eine andere Art zu reden. Sich zu bewegen. Zu sein. Sogar die Undercover-Männer. Das hier war kein Mann, der glatt geschliffen wurde um ins System zu passen. Das hier war ein Mann, dessen Kanten bewusst noch schärfer gemacht wurden. Damit er foltern konnte. Damit er quälen konnte. Damit er töten konnte.
Jim grinste im Dunkel, die die Sitzecke, in der sie sich aufhielten, umgab und zog an seiner Zigarette. Sebastian Moran. Ein Soldat. Langsam begann er, die Vorsicht, die er per Fingerschnippen hochgezogen hatte, herunterzufahren und es zu genießen.
"Die Spasten haben mich rausgeschmissen.", schloss Sebastian, zog an der Zigarette und sah Jim abwartend an. Als ob er ein Urteil erwartete. Oder eine Emotion. Mitleid?
Jim rümpfte die Nase. "Sprache, Sebastian.", sagte er, grinste dann aber wieder. Die düstere Beleuchtung ließ sein Grinsen wie das eines Haifischs wirken, viele weiße Zähne, bereit zum Angriff. Kein Leuchten in den Augen. Jims Augen leuchteten schon lange nur noch bei bestimmten Situationen. Und dies war keine davon.

Aber auch das Gesicht seines Gegenübers wurde in ein Licht getaucht, dass ihm erst gerecht zu werden schien. Die Falten um Mund und Augen waren tiefer, der Bartschatten zeichnete sich deutlich ab. Die Strapazen der letzten Jahre wurden sichtbar. Sebastian war ausführend. Er tat Dinge. Jim legte den Kopf schief, pustete den Rauch aus der Nase aus und dachte nach.

"Die Ausbildung bei der S.A.S. soll recht nützlich sein, hörte ich ... Und jetzt bist du wieder in der Heimat und suchst nach Abenteuern?", fragte Jim nach einer kleinen Pause, hob die Hand und schnipste ohne seinen ehemaligen Kameraden aus den Augen zu lassen. Sofort war eine Kellnerin bei ihnen. "Balvenie Triple Cask. Zwei.", sagte Jim und machte eine wegwischende Handbewegung, die der Kellnerin bedeutete, sich wieder zu entfernen.

"Ich habe die letzten Jahre ... nun, ausgebaut. Hier einen Geschäftszweig, dort einen ... du kennst das ja.", sagte Jim langgedehnt und unterbrach sich kurz, als die junge Dame mit einem Tablett zurückkam. Sie stellte die zwei Gläser vorsichtig auf den Tisch. Kein Eis. Es galt als empörend, einem teuren Tropfen wie diesem etwas Verwässerndes hinzuzufügen. Trotzdem war er eiskalt und die ersten Kondensationtropfen bildeten sich schon.
Jim nahm ein Glas und ließ die Flüssigkeit tanzen, verfolgte das Schwappen gedankenverloren mit den Augen. "Nun. Ich erledige ... Aufträge." Die Zigarettenspitze glimmte kurz auf und tauchte sein Gesicht in rötliches Licht, bevor er dem Soldat zuprostete. "Eine Art Dienstleistungsunternehmen. Es gibt Menschen, die haben Probleme. Die ich löse." Jim grinste und nahm einen Schluck. Die fünfundzwanzig Jahre alte Flüssigkeit brannte im Mund, legte sich dann aber wie ein angenehmer Film um die Zunge.

Eigentlich trank Jim nicht. Nicht mehr als hier ein Whiskey oder dort einen Vodka. Es gab ihm einfach nichts. Der Rausch von Alkohol war nicht sein rausch. Er hatte andere Dinge dafür. Aber das scharfe Brennen, gefolgt von einer unerwarteten Note, die sich langsam im Rachenraum ausbreitete gefiel ihm.

Er wartete darauf, dass Sebastian auch einen Schluck nahm. Wartete seine Reaktion darauf ab. Früher neigte er immer dazu, Jims Luxus zu verhöhnen, aber doch war er nie abgeneigt, wenn es um schnelle Autos ging - oder teuren Alkohol.
"Ich nehme an,", sagte Jim, stellte das Glas wieder ab und breitete die Arme in einer ausladenden Geste aus. "In deiner Elitetruppe habt ihr von J.P. Ackland gehört?"


J.P. Ackland war ein Politiker in den besten Jahren gewesen. Er war stolz, stur und unbeirrlich für das Volk da. Er setzte sich ein. Er war ... menschlich. Die Massen liebten ihn. Der Unbestechliche, so nannten sie ihn. Einer von uns. Ob er zu den Tories oder Labour gehört hatte, daran erinnerte sich Jim nicht. Aber er hatte Feinde. 
Tragisch. Es war so tragisch, dass die Bremsen seines umweltfreundlichen Familienautos versagten. Und das gerade, als er eine gefährliche Steige hinab fuhr, nein wie traurig. Bei den vielen Bergen und Klippen. Schlimm. Und dass seine zwei- und sieben Jahre alten Kinder hinten im Auto waren - nein, welch eine Tragödie. Die Queen war scho-ckiert.

"Nun.", sagte Jim und schnaubte beim Gedanken daran. "Ackland war ein solches Problem." Er nahm noch einen Zug aus seiner Zigarette, bevor er sie mit mehr Nachdruck als nötig in den Metallaschenbecher drückte und sich vorbeugte. Die Unterarme auf die Oberschenkel gestützt rückte er ein Stück nach vorne und grinste sein breitestes Grinsen.
It is not my intention to be fulsome, but I confess that I covet your skull.
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#8
Alkohol ist eine treulose Schlampe. Hat sie dich nach deiner ersten Befriedigung fallen lassen so spielt sie danach mit dir. Mal gibt sie dir ein Gefühl von Größe und Unverletzlichkeit und dann sofort schlägt sie dann mit dem Knüppel des Versagens mitten in die Eier. Dann bist auf die nächste Sekunde am Boden und sie reibt dir alles was jemals Kacke gelaufen ist mitten in die Fresse. Du bist ihr ausgeliefert. Kein Entkommen. Langsam schneidet sie dein Fleisch. Sie grinst. Das Salz ist ihre kleine Ehrerbietung. Sie fragt dich „Ach das hattest du schon vergessen?“ und nimmt dabei die Zitrone in die Hand die sie dann sofort auf die freigelegten Nerven träufelt.

Sebastian dachte das er der beste Freund dieser Schlampe war, sie unter Kontrolle hatte, doch sie hatte ihm eben ins Gesicht gespuckt. Wie doof musste er gerade ausgesehen haben. Er saß da wie ein Idiot und musste auf die Reaktion von Jim warten. Ohne Ankündigung oder kleine Einleitung hatte er sofort gesagt was los war. Der Smalltalk war ohnehin nicht ihr Ding gewesen aber gleich aus allen Wolken fallen das war was anderes. Sebastian war Jim zwar nah aber dennoch war er sich unsicher ob das gerade die richtige Entscheidung war. 

Blauer Qualm umspielte das markante Gesicht des ehemaligen Soldaten. Er spielte cool und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Seine Aussage war so sauber wie ein Pastor der niemals Kinder vergewaltigt hatte. Das war er verbrochen hatte war ja nur ein persönliches tät a tät gewesen. Er hatte an sich nichts verbrochen. Man musste damit rechnen das man prügeln würde beim S.A.S. Das die sich so anstellten konnte ja keiner wissen. Sebastian hatte zwar Kiefer und alle Rippen gebrochen aber der Offizier war auch wirklich schwächlich. 

Dann kam die Antwort. Sebastian fing an schallend zu lachen. "Sprache" war die Antwort. Nichts hatte sich geändert. Schon damals störte es Jim wenn er fluchte. Sebastian liebte es aber zu fluchen. Die Army hatte das nur verstärkt, wenn nicht sogar gefördert. "Sorry. Ich hatte vergessen das dich das Fluchen stört." bemerkte er kurz und lachend. 


Die Frage nach seinem Dienst brachte ihn kurz in die Erinnerung. Er dachte an all die Menschen die ermordet hatte. Seine Pupillen zogen sich zusammen und kurz hatte er deb 1000 Yard Stare. Das was Soldaten bekamen wenn sie zu lange im Einsatz waren. Normalerweise ein Zeichen von Reue doch empfand Sebastian kein bisschen davon. Das Starren war nur ein Beiwerk. Töten hatte ihn nie gestört, es war eher was erhabendes. 

Suchte er wieder nach Abenteuern? Ja. Das tat er. Jim war ein Jackpot. Das er ihn hier traf war ein Zufall der seines gleichen suchte, "2000 Yard ist für mich ein Kinderspiel." sagte Sebastian gelassen. Die Zigarette glühte und er war ganz gelassen. 

J.P. Ackland. das war ein Name den er kannte. Der Tod dieses Mannes war in allein Nachrichten gewesen. Der Unfall war so oft in den Schlagzeilen das man ihn nicht verpassen konnte. Es war ein Unfall. Das war in seinem Gedächtnis. 

Jim war es also. Jim hatte den Unfall ausgelöst. Wie cool. "Wie gut wäre es einen Profi an seiner Seite zu haben?" fragte er ganz unverholen.
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#9
Ha.
Da war es.
Das, wonach Jim gesucht hatte.
Der Blick.

Menschen neigten im Allgemeinen dazu, ständig völlig unbewusst Dinge über sich zu verraten, alles nur mit einem Blick. Die Augen waren das Fenster zur Seele, so hieß es. Und endlich einmal ein Sprichwort, dass nicht völlig auf Aberglauben und Angst gebaut war. Waren sie unsicher, irritiert, ängstlich, nervös, stolz, arrogant - es war egal, solange ihr Blick von etwas anderem sprach. Dabei reichten Sekunden; nein, Bruchteile dessen. Mikroresonanz, ein höchst interessantes Forschungsgebiet. Menschen zeigen innerhalb eines Bruchteils einer Millisekunde ihre wahre Emotion.

Sebastians Blick glitt in die Ferne, aber nicht wie er es vielleicht bei einer schönen Erinnerung zu tun pflegte, oder als ob er nachdachte, nach einer richtigen Antwort suchte. Er war weit weg. Jim feixte und ließ die Fingerknöchel knacken.
Der Blick sprach von Grausamen, den Sebastian erlebt hatte - Aber er sprach nicht von Gräul. Er war kalt und klar, obwohl er fernab der Realität weilte. Er war kühl. Wie eine Erinnerung, nicht zwingend schön, aber nicht schlecht. Er war eben da.
Jim spürte, wie sich die feinen Härchen im Nacken aufstellen und ein wohliges Schaudern durch seine Nerven zischte.
Sebastian hatte getötet, Sebastian hatte gefoltert. Sebastian empfand keine Reue. Sehr schön.

Mit einem Blinzeln war der Augenblick vergangen, sein Gegenüber war in das gewohnt gelassene, entspannte Verhalten zurück gefallen.
"Wie gut wäre es einen Profi an seiner Seite zu haben?", fragte Sebastian und wirkte absolut nicht schockiert von Jims Enthüllungen über Ackland. Was gut war. Einerseits. Aber andererseits in Jims einen schalen Beigeschmack hinterließ, war Ackland doch ein so hübscher Zeitvertreib der letzten Wochen gewesen. Nun ja. 
Jim lächelte nachsichtig.

"Liebes,", sagte Jim und zog eine Augenbraue hoch. "Profis habe ich zu Genüge. Ich habe Schläger, Messerstecher, Bombenleger." Er breitete die Hände aus, als würde seine Entourage hinter ihm erscheinen. "Ich habe Kidnapper, Drogendealer, Räuber, Erpresser. Bänker, Politiker, Firmenchefs. Alles, was früher oder später in Londons Kanalisation landet - ich besitze es."
In einer sehr langsamen, dramatischen Geste ließ Jim die Hände sinken. Ließ sein gegenüber nicht aus den Augen. Rollte die Schultern in trägen Halbkreisen, ließ die Halswirbel knacken, leckte sich über die Lippen. Zeit. Zeit war wichtig.

Jim machte ein schnaubendes Geräusch. "Professionelle neigen dazu ihren Job zu machen, ihre Bezahlung einzustreichen und dann nach Hause zu gehen. Auf ihre Couch, wo sie den Fernseher einschalten und die Abendnachrichten sehen. Wo ihre Frau das Essen in einer Plastikschale für sie im Kühlschrank gelagert hat, das sie sich in einer Mikrowelle warm machen. Wo sie schnarchen und schmatzen und furzen, bis ich einen neuen Job zu vergeben habe. Und in der Zwischenzeit verspielen sie ihre Bezahlung, versaufen sie, geben sie für Huren oder schnelle Autos aus. Sie haben Kinder, Frauen, Freunde, Familien. Profis, Sebastian, sind Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Menschen mit Jobs, in denen sie gut sind. Was sie für meine Zwecke herrlich brauchbar macht - aber auswechselbar. Nein." Jim schüttelte den Kopf und sah Sebastian ohne Regung an. "Nein, Sebastian ich brauche keinen Profi an meiner Seite."

Jim hielt kurz inne, hing seinen eigenen Worten nach, die sich wie kleine Messer durch den sanften Sound von Queen schoben. Nein. Einen weiteren Menschen brauchte er wirklich nicht.
"Was ich brauche, ist ein Bluthund." Jim lächelte sanft und strich sich mit dem Zeigefinger über die Lippen. "Und welch ein Glück habe ich, dass gerade einer bei der S.A.S. entlassen wurde."
It is not my intention to be fulsome, but I confess that I covet your skull.
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