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And her Name was Daisy
Jim und Liz | Moriarty Villa | Herbst 1993
#1
Jim und Liz | Moriarty Villa | Herbst 1993

"Libby! Jamie! Könnt ihr langsam mal herunterkommen?" drang die angespannte Stimme ihrer Mutter durch die nur angelehnte Tür. "Habt ihr vergessen, dass wir Besuch bekommen? Das Essen ist gleich fertig" Als ob man das hätte vergessen können. Seit Tagen sprach ihre Mutter von nichts anderem, als den neuen Nachbarn. Irgendwelche neureichen Amerikaner, die es nach ihrer Weltreise nach England verschlagen hatte. Und ihre Mutter hatte sich schon immer darauf gestürzt, wenn es mal jemanden neues in der Nachbarschaft gab, obwohl sie sonst immer über die Amerikaner herzog. Doch es gab ihr die Möglichkeit, ihr Lieblingsspiel, das "Meine tollen Kinder, mein toller Mann, mein tolles Haus" hieß zu spielen und Elisabeth hasste dieses Spiel schon immer. Doch wie immer würde sie auch dieses Mal mitspielen. Sie hatte sich wohl getäuscht, als sie geglaubt hatte, dass sie inzwischen zu alt dafür waren und das ganze Theater ein Ende hatte. Sie hatten nur lange keine neuen Leute mehr kennen gelernt.

"Kinder! kommt jetzt!" rief sie ein weiteres Mal, dieses Mal jedoch sehr viel bestimmter, was Elisabeth seufzen ließ. "Ich komme ja schon" antwortete sie also leise, hauptsächlich für sich selbst und machte sich auf den Weg nach unten, wo Claire bereits am Treppenabsatz wartete. "Da bist du ja" sagte sie ein wenig versöhnlicher und strich ihr eine Strähne, die sich aus dem geflochtenen Zopf gelöst hatte hinter die Ohren, was man für eine liebevolle Geste hätte halten können, in Wirklichkeit aber nur davon zeugte, dass ihre Kinder ordentlich aussehen mussten, wenn man sie präsentierte. "Wo steckt dein Bruder schon wieder?" Elisabeth zuckte mit den Schultern. Sie vermutete ihn in seinem Zimmer, dass wie immer abgeschlossen war, doch genau wusste sie es auch nicht. "James Moriarty" rief Claire also ein weiteres Mal nach oben. "Wenn du nicht in fünf Minuten ...." weiter kam sie nicht, da ihr Geschrei von der läutenden Klingel unterbrochen wurde.

Claire machte zuerst ein erschrockenes Gesicht, dann ein genervtes, ehe sie ihr "wir sind die glücklichsten Menschen auf dem Planeten" Gesicht aufsetzte um die Tür zu öffnen. Dann begrüßte sie das Pärchen, dass viel Jünger war als sie bei den Erzählungen angenommen hatte und alle verfielen in ein Floskeln geprägtes Begrüßungsgeschnatter, dem sie nur still zu sah. "Und du musst Elisabeth sein. Ich hoffe, ich darf dich Elli nennen" sagte die Frau mit heller Stimme und ging auf sie zu um sie .... in den Arm zu nehmen? Etwas irritiert blickte sie die Frau an, für die es offensichtlich das natürlichste der Welt war, einen Fremden in die Arme zu schließen. "Wir haben schon so viel von dir gehört. Und von deinem Bruder natürlich. Ist er gar nicht da? Ich hatte mich schon so gefreut euch beide kennen zu lernen?" Mit einem verkrampftem Lächeln öffnete Elisabeth den Mund um zu antworten, kam allerdings nicht dazu, da ihre Mutter ihr ins Wort fiel. "Doch doch, er wird sich gleich zu uns gesellen." sagte sie und dann fragten sich alle wie es ihnen ging und was sie so unwichtiges gemacht hatten. Elisabeth blieb noch einen Moment etwas irritiert stehen, ehe sie ihrer Mutter und den Gästen ins Esszimmer folgte, wo ihr Vater erstaunlicherweise bereits auf sie wartete. Sie hatte gar nicht gewusst, dass Rupert wieder Zuhause war.
[Bild: OwAIar5F.png]

Goose von Sherlock: In der sich nächst bietenden Gelegenheit wirst du von einer Hausspinne hinterhältig angefallen.

Scherz... Du hast sie irgendwie irgendwo im Hause oder wo immer du grade warst mitgeschleppt und nun krabbelt sie dir über ein unbedecktes Körperteil, sodass du sie bemerkst und entsprechend reagierst.
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#2
Der Löffel war winzig und sehr tief gebogen, dafür aber schmal. Jim hielt ihn zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand und tauchte ihn vorsichtig in die Truhe, die er geöffnet vor sich liegen hatte, bevor er ihn, mit der Zungenspitze zwischen den Zähnen, über den Schreibtisch balancierte und in ein kleines Tütchen füllte, das auf einer kleinen Waage lag.
Exakt 4 1/2 Gramm. Nicht mehr und nicht weniger. Jim griff nach den weißen Baumwollhandschuhen die neben ihm lagen, zog sie über und strich langsam die verbliebene Luft aus dem Tütchen, bevor er es verschloss.

"Wenn du nicht in fünf Minuten ...."

Er warf das Tütchen, das er gerade noch so sorgfältig behandelt hatte, achtlos in die dafür vorgesehene Kiste und verkniff sich ein wütendes Schnauben, um nicht das gesamte Kokain über die Glasplatte des Tisches zu verteilen.
"Verdammt, ja.", zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen und schloss die Schublade des Aktenschränkchens, in das er seine gesammelten Werkzeuge zuvor gepackt hatte, unsanft mit dem Knie zu, das Schloss rastete mit einem metallischen Laut ein.

Das schrille Klingeln der Türglocke setzte ein, und Jim nahm die Spitzen der Baumwollhandschuhe zwischen die Schneidezähne, zog daran und pfefferte auch diese unachtsam in eine Ecke.

Immer dieses Affentheater. Jim war klar, dass die Außenwirkung entscheidend war - Es war wichtig, dass die Leute einen als das sahen, was man wollte, einen genau so wahrnahmen, wie man es plante. Das war auch sein Credo und es funktionierte hervorragend. Aber dass er in die Präsentation seiner Eltern nach Außen aufgenommen wurde, verstand er nicht.
Jim sah auf die Uhr, die über ihm hing und fluchte leise. Er musste Sebastian noch anrufen und ihm die neuen Konditionen durchgeben. Aber im selben Moment war Stimmengewirr aus dem Foyer zu hören. Damit er in Ruhe gelassen wurde - und das wurde er - und seiner eigenen Arbeit nachgehen konnte - und das konnte er - musste er dann und wann den guten Sohn heraushängen. Um zu vermeiden, dass seine Eltern ihn wahrnahmen, musste er anwesend sein. Verdrehte Welt.

Entnervt richtete er sich auf, strich sich das dunkelblaue Hemd und die schwarze Hose glatt und fuhr sich durch das schwarze Haar. Dann schlenderte er zur Zimmertür, drehte den Schlüssel zweimal zur Seite und mit einem sanften Klick öffnete sich die hohe, weißgebeizte Tür und gab den Blick zum Gang heraus.

"Hi!", sagte Jim, als er am am oberen Treppenabsatz angekommen war, legte eine Hand auf das Geländer und lächelte entspannt.
Im Foyer standen seine Schwester, zwei Fremde - und es war für Jim völlig unwichtig wer sie waren, war doch klar, dass diese Leute da waren, damit ihre Eltern angeben konnten - und Claire, seine Mutter. Wie auf sein Kommando drehte sie sich um und warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Hi war wohl nicht die angemessene Anrede. Mit einem Lächeln in der Stimme aber sagte sie: "Ah, James! Da bist du ja!"
Indem er zwei Stufen auf einmal nahm glitt Jim die Treppe herab, auf direktem Wege zu den Fremden und streckte ihnen seine Hand hin. "Verzeihung. Hallo, James. Freut mich sehr Sie kennen zu lernen."

Im Inneren brauchte Jim seine gesamte Konzentration, um sich nach dem obligatorischen Händeschütteln sofort die Hand an seiner Hose abzuwischen oder das Gesicht zu verziehen. Jim hasste körperlichen Kontakt. Vor allem mit Menschen wie diesen. Man sah es ihnen schon an. Reich, aber neureich, wie seine Mutter sagen würde. Natürlich keine altenglische Familie, so wie die ihre, hörte er sie in seinem Hinterkopf spotten, aber doch ganz angenehme Menschen. Naja, ein wenig laut und ungewöhnlich. Amerikaner eben. Dass die es nicht so mit der Etikette haben ist ja bekannt ...

"Ich habe gehört, du arbeitest gerade an einem kleinen Projekt!", sagte der Mann und klopfte Jim kumpelhaft auf die Schulter. Jim erstarrte zu Eis. Kontakt. "Hm-ja.", machte Jim und seine Gedanken überstürzten sich, während er darüber nachdachte, welches Projekt gemeint sein. Er hatte eine Überzahl an Start-Up-Unternehmen, an denen er mitarbeitete, chemischen Prozessen, die er beobachtete, und Wirtschaftssimulatoren, die er leitete, erfunden, um seine Abwesenheit zu später Stunde und seinen Herumtreiben mit "diesem Soldaten-Jungen" zu erklären. Jim machte einen geistigen Vermekr, dass er seine Aktivitäten besser sortieren musste und nahm seine kleine Schwester in den Blick, wie sie da stand, mit einem geflochtenen Zopf und sehr verloren wirkte.
"Elisabeth spielt übrigens hervorragend Klavier, Sie sollten sie hören.", wechselte er schnell die Spur und konnte nicht umhin, einen Schritt von dem Mann wegzutreten. "Vielleicht nach der Vorspeise?"

"Das wäre ganz großartig!", rief die Frau - Jim runzelte die Stirn, während er überlegte, wie sie wohl hieß - und klatschte begeistert in die Hände. "Elli, das musst du uns zeigen!"
"Elisabeth wäre es eine Freude.", schaltete sich ihre Mutter ein und legte scheinbar liebevoll die Hände um die Schultern ihrer Tochter. "Aber das Dinner ist bereits aufgetischt - Wollen wir...?"

Jim folgte der Versammlung in das prunkvolle Esszimmer, vorbei an Urkunden, die er oder Elisabeth für irgendwas bekommen hatten, alte Abzeichen von ihren Großvatern, Fotos von einem Familienmitglied mit einem Politiker oder Prominenten beim Händeschütteln. Natürlich nur die seriösen Prominenten, verstand sich. Nicht die Kasper aus dem Fernsehen. Vielleicht berühmte Geiger oder Künstler.

Im Esszimmer stand wieder eine Uhr: Eine große Standuhr diesmal, deren Pendel gemütlich sanft nach links, dann nach rechts ausschlug. 18:21 Uhr. Er musste Sebastian anrufen. Dringend. Die Arbeit erledigte sich nicht von allein. Wer ein Monopol besaß, musste es auf pflegen. Jim nahm auf einem der großen, unbequemen Stühle, die rund um die Tafel aufgebaut waren, Platz und ließ seinen Blick überlegend über die Runde streifen. Nach der Vorspeise konnte er hoffentlich kurz verschwinden.
It is not my intention to be fulsome, but I confess that I covet your skull.
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#3
Unangenehm. Alles an dieser Situation war einfach unangenehm, doch am unangenehmsten waren diese Amerikaner. Sie waren distanzlos und einfach viel viel zu laut für ihren Geschmack und sie verstand beim besten Willen nicht, warum sich ihre Mutter neuerdings mit solchen Menschen abgab, die nicht mal die einfachste Höflichkeitsform kannten, die darin bestand, sich vorzustellen. Und zwar mit einem Händeschütteln. Keineswegs mehr. Außerdem konnte sie die Art nicht ausstehen, wie diese Frau so tat, als ob ihr alles gehörte und sie ein fester Bestandteil dieser Familie waren. Als ob sie alle seit langer Zeit enge Freunde wären. Fürchterlich.

"Hi!" hörte sie es dann vom oberen Treppenansatz und blickte ihren Bruder mit hochgezogenen Augenbrauen an. Das war ja schonmal ein guter Start, den er allerdings schnell wieder durch ein paar Worte der Vorstellung ausgleichen konnte. Abgesehen davon konnte sie sich kaum vorstellen, dass den beiden überhaupt auffiel, dass Hi nicht die angemessene Begrüßungsform war. Gott, sie sehnte sich nach den Zeiten zurück, in denen sie bei soetwas früh ins Bett geschickt wurde. Hoffentlich würde er nicht bis tief in die Nacht gehen, doch ihr Besuch schien sich ja schon jetzt wie Zuhause zu fühlen. Hervorragend.

Weil sich jedoch alle so viel in hoher Lautstärke zu erzählen hatte, kam sie immerhin drum herum etwas sagen zu müssen. Das war gut. Sie wollte nicht über die Schule reden oder das Ballett. Es interessierte ja am Ende doch keinen und für sie war das Ganze hier schweigend wesentlich besser zu ertragen. Es war ja auch kein unhöfliches Schweigen, doch wenn man sie nichts fragte, dann musste sie auch nicht antworten.

Ihrem Bruder, warf sie einen bösen Blick zu, als dieser versuchte, das Thema seines "Projektes" welches sie auch brennend interessierte auf ihr Klavierspiel zu lenken, von dem er genau wusste, dass sie es nicht gerne tat, wenn alle sie dabei anstarrten. Sie war mehr der Typus Musiker, der sich in einem Orchestergraben versteckte, keiner, der den Applaus des Publikums genoss. Abgesehen davon bezweifelte sie, dass ihre Gäste so etwas wie Bach oder Mozart zu würdigen wussten. Doch diese Spitze würde er schon noch zurückbekommen.

Natürlich stiegen alle sofort darauf ein und schon hatte sie die Hände ihrer Mutter sanft an ihren Schultern ruhen, was ihr nichts ausmachte. Das war ihre Mutter, doch wenn jemand Fremdes sie betatschte, dann war das etwas ganz anderes. Außerdem war auch das keine liebevolle Geste, sondern viel mehr eine Anweisung, versteckt in Körperkontakt. "Sehr gerne" log sie also mit lächelndem Gesicht ehe sie in das Esszimmer gingen.

"Daddy. Ich wusste gar nicht, dass du schon wieder zurück bist" sagte sie und begrüßte ihren Vater der kurz aufstand, um ihr einen Kuss auf die Stirn zu drücken. Er war wohl auf Geschäftsreise gewesen oder irgendwo anders. Das machte auch keinen Unterschied, das Ergebnis war ja das Selbe. Er war nicht da. So war das schon immer gewesen. Höflichh wartete sie ab, bis sich alle Gäste hingesetzt haben, ehe sie sich ebenfalls auf ihren Platz, neben ihrem Bruder setzte, der noch einen bei ihr gut hatte.

"Du warst gerade dabei, von deinem neuen Projekt zu erzählen." sagte sie um ihn daran zu "erinnern" und blickte ihn mit wissendem Blick an, auch wenn sie in Wirklichkeit gar kein Wissen darüber besaß. Doch sie wusste, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen zuging. "Das Projekt, an dem du mit deinem neuen Freund Sebastian arbeitest ... ? Ich weiß auch noch gar nichts darüber" sagte sie leise und sah auf, weil die Vorspeise serviert wurde
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Scherz... Du hast sie irgendwie irgendwo im Hause oder wo immer du grade warst mitgeschleppt und nun krabbelt sie dir über ein unbedecktes Körperteil, sodass du sie bemerkst und entsprechend reagierst.
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#4
Jim kniff die Augen zu wütenden Schlitzen zusammen und taxierte seine Schwester.
"Ja, richtig, danke." Unter dem Tisch ballte er eine Faust während er sich ein Stück weiter in das weiche Polster des Stuhls drückte, um für das Hausmädchen Platz machen, das die kunstvoll angerichtete Vorspeise vor ihm auf den Tisch stellte.
Jim schloss die Augen und spielte in Windeseile alle Szenarien durch, atmete tief durch die Nase ein, öffnete die Augen wieder und lächelte ein höfliches Lächeln.
"Es ist ein ... soziologisches Projekt.", sagte er und nahm den Amerikaner, der danach gefragt hatte, direkt in den Blick. "Es hat noch keinen offiziellen Namen. Die Untersuchungen behandeln die Auswirkungen von diktatorischen Strukturen innerhalb einer Peer-Group. Sehr zeitaufwändig. Darunter liegend sind auch wirtschaftliche Faktoren tragend." Jim nahm das Messer in die Hand und fuhr gedankenverloren mit der Fingerspitze an der Schnittkante entlang. "Es beschäftigt sich gewissermaßen mit der Frage, was passieren muss, damit eine Person sehr viel mehr Macht erreicht als eine andere. Was dazu nötig ist und welches Führungsprinzip am effektivsten ist."

Gedankenversunken beobachtete Jim sein Spiegelbild im glänzenden Tafelsilber und lächelte kühl. "Eine Art Wirtschaftssimulation auf die Management-Ebene bezogen."

"Das klingt hervorragend!", lobte der Mann und klatschte wie ein dummer August in die Hände, warf James' und Elisabeths Vater einen anerkennenden Blick zu und nickte wissend. Jim zuckte mit dem Kopf unwillkürlich zur Seite und lächelte ein kühles Schlangenlächeln.
"Ich spreche jedoch nicht gern über unausgegorene Dinge. Der Abschluss könnte noch Jahre dauern.", sagte Jim langsam und starrte den Amerikaner lange mit dunklen Augen an und lächelte. "Allerdings wäre es mir eine Freude, es Ihnen gerne zeigen, wenn es fertig ist."

"Ja, das ist mein Junge.", sagte Rupert Moriarty und nahm sein Champagner-Glas in die Hand. "Sehr ehrgeizig, wie sein Vater. Aber auch verschwiegen und bescheiden. Aber richtig, James - Man sollte der Öffentlichkeit nie die Ergebnisse einer Untersuchung vorstellen, bevor sie nicht abgeschlossen ist. Und nun; Ich möchte Ihnen noch einmal ganz herzlich für Ihr kommen danken. Stoßen wir an, auf einen schönen Abend."
Alle hoben ihr Glas, um sich zuzuprosten und Jim wandte den Kopf zu seiner kleinen Schwester.

Lästiges Ding. Die meiste Zeit war ihre Existenz nicht weiter von Bedeutung. Sie lebte im selben Haus, aber Jim sah sie so gut wie nie, was jedoch wahrscheinlich mehr seiner ständigen Abstinenz geschuldet war als Elisabeths Verhalten. Nichtsdestotrotz; In der Regel interessierte er sich nicht für sie. Sie war lästig, aber nicht unerträglich. Neugierig, aber bei Weitem nicht intelligent genug, um nur ansatzweise zu begreifen, mit wem sie unter einem Dach lebte. Jim hob sein Glas und bewegte die Lippen zu dem Trinkspruch, den die Erwachsene riefen, behielt Elisabeth aber mit zu Schlitzen zusammen gekniffenen Augen im Blick.

Die Vorspeise verlief exakt so, wie sie es immer tat. Claire plauderte über die Nachbarn, die Arbeit ihres Mannes, den Erfolg ihrer Kinder und ihre Charity-Galen und wurde nur hier und dort von verzückten "Ahs" und "Ohs" der Amerikaner unterbrochen. Nachdem die Teller leer waren, schlug Claire vor, ihren Gästen das Haus zu zeigen. Sie hatte schließlich nicht umsonst ein prunkvolles Haus bezogen, nur die teuersten Möbel hineingestellt und es bereits drei Tage zuvor von den teuren Deckenlampen bis zum antiken Teppich reinigen lassen.

Jim hatte während des ganzen Gangs immer wieder Blicke zur alten Standuhr geworfen. 18:53 Uhr. Noch war Zeit. Als seine Mutter und ihre Gäste aufstanden, blieb Jim noch kurz sitzen, wartete bis Clair die Amerikaner unter Erläuterungen zur Architektur des Anwesens aus dem Esszimmmer geleitet hatte und schob dann den Stuhl vom Tisch.
"Bin gleich wieder da.", murmelte er und verließ den Raum in die andere Richtung.

Das Anwesen der Moriartys hatte mehrere Anschlüsse: In einem der diversen Wohnräume, im Arbeitszimmer ihres Vaters, in einem Gang und einem Zimmerchen im zweiten Stock, in der Küche. Jim entschied sich für das in einem kleinen Zimmer im zweiten Stock. Niemand wusste genau, wofür dieser Raum eigentlich gut war; Es war ein kleiner Raum, ocker gestrichen mit dunklen Holzplanken als Fußboden, in dem mehrere Lammfelle auslagen. Zwei alte, schwere Ledersofas standen herum, ein Gemälde einer Jagdszenerie, ein paar antike Bücher, die niemand jemals in die Hand nahm und eine Fensterfront, die mit schweren, dunkelgrünen Vorhängen verhangen war. Dieser Raum wurde so gut wie nie genutzt, niemand hielt sich hier je auf. Aber er hatte ein Telefon auf einem Beistelltisch.
Claire hatte gerade erst im Erdgeschoss mit der Führung begonnen, es würde mindestens noch zwanzig Minuten dauern, bis sie überhaupt im ersten Stock ankamen. Das war mehr genug Zeit.

Oben angekommen ließ sich James auf das alte Sofa fallen, nahm den Hörer des Apparats ab und wählte die bekannte Nummer.
"Moran.", meldete sich Sebastian nach dem zweiten Klingeln.
"Ich wurde aufgehalten.", erwiderte Jim ohne Begrüßung, legte den Kopf in den Nacken und starrte an die Decke.
"Der verdammte Pieper steht kaum mehr still. Wir brauchen zwei. Es läuft zu gut. Wir brauchen 6 für Smith, 2 für O'Kelley und 16 für - ja genau." Der Gegenpart erwiderte etwas, Jim schüttelte verneinend den Kopf.
"Ich erhöhen auf Vierundvierzig Pfund. Aber sanft, etappenweise. Ich denke an 5-8, dann 14." Wieder eine Erwiderung. "Qualität hat eben ihren Preis. Du weißt, was mein Name ausrichtet ... Ja. ... Richtig. - Nein. Hör zu, Basher. Ich brauche noch zwei andere Dinge von dir: Ich will, dass du Hamilton und seinen rattengesichtigen Lakaien deutlich machst, dass wir ein konkurrenzloses Unternehmen sind. Ich will sie vor Wales nicht mehr sehen. ... Ja. Klar, wenn  ich dir damit eine Freude machen kann." 
Jim lachte bellend auf. Es hallte an den Wänden wieder und wurde von den Fellen auf dem Boden geschluckt. "Sicher, Tiger, was immer du willst. ... Natürlich. Es ist mir egal. Das passiert nun mal. Diese Würmer." Jim machte ein angewidertes Gesicht und legte die Füße auf den teuren Holztisch vor ihm, mit den geschwungenen Füßen und eingravierten Jägern bei der Elefantenjagd. "Du weißt, es gibt nichts, was mich mehr langweilt als diese Geschwüre. Wie ... Krebs. Wie Tumore setzen sie sich in mein Gebiet und fressen von meinem Land. Es wäre nicht schade." Der Junge am anderen Ende der Leitung lachte so laut, dass man es deutlich im Raum hörte, dann folgte eine Frage.
Jim kicherte. "Leiser, Tiger. Zahltag ist morgen. 250? Oder hast du andere Vorstellungen?...  Nein. Nein. Sicher. Wie immer."

Jim beendete das Gespräch, zog einen der Pieper hervor und löschte die letzten drei Anrufe.
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#5
Elisabeth wand den Blick von ihrem Bruder ab, als dieser sich "bedankte" und fixierte stattdessen die Vorspeise, die sich inzwischen vor ihr befand. Langsam schnitt sie mit ihrem Messer in die duftende Jakobsmuschel und schnitt sich ein kleines Stück ab, während sie Jims Worten lauschte und sich ihre Mundwinkel ein wenig nach oben verzogen. Sie hatte zwar nicht die geringste Ahnung, was eine Peer-Group war und war sich nicht einmal sicher, ob das was ihr Bruder da gerade erzählte wirklich Hand und Fuß hatte, doch es hörte sich zumindest danach an und schien wohl sowohl den Amerikaner als auch ihren Vater zu überzeugen.

Ob das sein Ziel war? "Sehr viel mehr Macht zu erreichen, als andere?" Gut, dass das sein Ziel war, war eigentlich kein Geheimnis. Viel interessanter war doch, was er bereits jetzt tat um dieses Ziel zu erreichen. Doch darüber sprach er natürlich nicht, wäre vor Fremden wohl auch nicht ratsam. Doch sie war keine Fremde, sie war Familie. Früher oder später musste er ihr einfach erzählen, was er so trieb.

"Wirklich sehr interessant." sagte Elisabeth schließlich als sich alle zuprosteten und erwiderte den Blick ihres Bruders mit einem entschuldigendem Gesichtsausdruck. Sie würde nicht weiter darauf herumreiten. Nicht nach Sebastians Rolle in diesem Plan fragen. Das hob sie sich für später auf. "Ich wünschte, ich würde diese Sachen nur halb so gut verstehen, wie du " setzte sie trotzdem noch nach. "Auf einen schönen Abend" stimmte sie ihrem Vater dann zu und nippte an ihrem Champagner, wobei Nippen eigentlich schon zu viel gesagt war. Sie konnte das Zeug nicht ausstehen, es schmeckte scheußlich und verstand nicht, warum man ihr auch welchen gab, wo sie doch erst 13 Jahre alt war, also griff sie lieber zu dem Glas Wasser vor sich, von dem sie einen wirklichen Schluck nahm.

Schweigend aß sie ihre Vorspeise auf, hörte den Gesprächen nicht wirklich zu, nichte und lächelte aber hier und da um sich interessiert zu zeigen. Als ob sie diese Dinge nicht schon zum hundertsten Mal hörte. Doch so lief das nun einmal in dieser Familie und sie waren sicher nicht die Einzige, die das so handhabte.

Als alle fertig waren hatte Elisabeth fast befürchtet, dass nun ihre musikalische Einlage erwartet wurde, stattdessen entschied man sich aber dafür, erstmal eine Hausbesichtigung zu machen. Gut für sie. Vielleicht hatten sie es bis dahin vergessen. Sie jedenfalls konnte gut und gerne darauf verzichten. "Bin gleich wieder da" entschuldigte sich ihr Bruder und war sogleich verschwunden. Ach verdammt. Sie hatte ihn doch nur aufziehen wollen, er war aber auch empfindlich.

"Claire?" wandte sie sich an ihre Mutter. Sie nannte sie oft beim Vornamen. Warum wusste sie auch nicht so genau. "Ich sehe kurz nach Jim, ja? Er hat sich heute morgen nicht wohl gefühlt" "Was?" antwortete ihre Mutter die schon ganz in ihrer Hausführung versunken war. "Ja sicher, mach das, liebes!" winkte sie schnell ab. "Ein Herz und eine Seele, die beiden" erklärte sie ihr Verschwinden dann noch ihren Gästen, ehe sie unbehelligt weiter machte. "Also, wo waren wir stehen geblieben?" Elisabeth hörte allerdings nicht mehr zu und machte sich eilig auf den Weg nach oben.

"Jim?" sagte sie während sie die Treppenstufen zu ihrem Stockwerk erklomm. "Tut mir leid, ich wollte dir keinen Ärger machen" sagte sie und blieb vor seiner offen stehenden Zimmertür stehen. "Jim?" fragte sie erneut, doch es antwortete nicht. Langsam schob sie die Tür mit spitzen Fingern auf. Kein Jim da, der Schlüssel steckte noch von innen, da konnte sie sicherlich einen Blick wagen ...

Immerzu war die Tür abgeschlossen, doch sie beschloss, dass das nicht länger der Fall sein musste und zog den Schlüssel ab, nur um ihn sich dann in den BH zu stecken, weil ihr Kleid keine Taschen hatte. So, damit war dieses Problem schon mal aus der Welt geschafft. Jetzt wo sie hier alleine in diesem Raum voller verschlossener Geheimnisse war, hatte sie schon fast vergessen, dass sie eigentlich gekommen war, um sich zu entschuldigen. Das war jetzt zweitrangig. Wer wusste schon, wann diese Gelegenheit wieder kommen würde?

Elisabeths Herz hüpfe vor freudiger Aufregung nur so in ihrer Brust, sie versuchte allerdings einen klaren Kopf zu bewahren. Sie hatte sicherlich nicht viel zeit und würde sich nur ungerne beim herumstöbern erwischen lassen. Als erstes schloss sie also die Tür hinter sich. Gut, das war gut. Vielleicht merkte er gar nicht, dass sie nicht verschlossen war, sollte er daran vorbei kommen.

Sie sah sich im Zimmer um, sehr viel stand nicht mehr darin. Ein Bett ein Tisch und ein paar Aktenschränke hauptsächlich, doch für Elisabeth war das genug. Sie zog an einer der Schreibtischschubladen. Abgeschlossen. Dann an einer zweiten. Auch abgeschlossen, egal wie viel sie daran rüttete. Gott, er konnte doch nicht so paranoid sein. Gut. Dann erst etwas anderes. Die Aktenschränke sahen ebenfalls so aus, als würde etwas wichtiges darin sein. Sie versuchte jede einzelne zu öffnen, jede mit mehr Gewalt und schneller als die Vorherige, doch sie waren alle verschlossen. Sie stieß einen leisen verzweifelten Laut aus - das konnte ja wohl nicht wahr sein - ehe ihr Blick auf den Schrank fiel, auf dem ein Heft lag. "Buchführung" stand darauf. Eilig blätterte sie die Seiten durch, doch da wahren nur Tabellen und Diagramme aus denen sie nicht schlau wurde. Das half ihr also auch nicht weiter, also ließ sie es achtlos auf den Boden fallen. Dann eben doch wieder der Schreibtisch.

Auch ein weiteres Ziehen an der obersten Schublade brachte sie nicht dazu, sich plötzlich zu öffnen und auch kein Rütteln und Zerren. Schon wieder nicht. Sie ermahnte sich selber, es ein wenig ruhiger zu probieren und setzte sich auf den ledernen Stuhl. Koordination war das was sie jetzt brauchte, keine Verzweiflung. Sie sah sich also um, womit sie sich helfen konnte. Auf dem Schreibtisch stand ein Becher mit Stiften, darin ein Kugelschreiber mit Namen ihres Vaters, der ziemlich stabil war. Vielleicht würde den als Hebel benutzen können. Bestimmt würde sie den als Hebel benutzen können, er landete also erst in ihrer Hand und dann mit der spitzen Seite zwischen Schreibtisch und Schublade
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#6
Jim stand in der Tür und lauschte den klackernden Schritten von zwei Paar Pumps und einem Paar teurem Männerschuhen, die durch das stilvoll-leere Haus tönten. Sie schienen sich gerade im sogenannten "Musizier-Zimmer" zu befinden. Erdgeschoss. Er nahm noch einmal den Piepser in die Hand und checkte die Aufträge, die innerhalb der letzten drei Stunden eingegangen waren, bevor er auf Löschen drückte und ihn wieder in seine Hosentasche gleiten ließ. Er löschte Aufträge immer sofort, nachdem er sie erledigt hatte - und sie an Sebastian weiterzugeben, sah Jim als erledigt an.
Er trommelte einen Takt zu einer Musik, die nur er hören konnte, mit den Fingerknöcheln an den Türrahmen und dachte kurz nach.

Fünfzehn Minuten hatte er noch, mindestens. Je nachdem, ob Claire die Besichtigung in den Wintergarten ausdehnen würde - aber dort wurde gerade gebaut, und er stand voller Farbeimer und Leitern der Handwerker, ergo nicht repräsentabel, ergo würden die Amerikaner nur davon zu hören bekommen, ihn aber bis zu seiner Fertigstellung nicht sehen. Also eher zehn Minuten. Trotzdem noch genug Zeit, die erledigten Aufträge in seine Buchführung einzutragen. Jim leckte sich langsam über die Lippen. Wenn es so weiter ging, musste er mehr beschaffen, seine Vorräte gingen zur Neige.
Ein Fauchen holte ihn aus seinen Nachrechnungen zurück und als er zur Seite sah, stand Elisabeths Katze vor ihm und starrte ihn mit einem bedrohlichem Blick an. "Drecksvieh.", zischte Jim und die Katze machte auf dem Absatz kehrt, jedoch nicht ohne ihren Schwanz zu heben und ihn warnend zucken zu lassen. Sie mochte Jim nicht, seit sie ihn das erste Mal gesehen hatte. Und Jim hatte seinerseits nichts für Tiere übrig. Vor allem nicht für diese verwöhnte, fettgezüchtete, blassierte Abart einer Raubkatze. So war es wohl: Er war ein Panther, und die Menschen um ihn herum waren überzüchtete fette Stubentiger, die den ganzen Tag nur in der Sonne lagen und zu domestiziert waren, um Mäuse zu fangen. Er hatte nichts als Verachtung für diese Katze übrig.

Mit langen, schnellen Schritten ging er hinüber zur in sich geschwungenen Treppe, die in einem Halbkreis vom zweiten in den ersten Stock zurückführte. Der frisch gereinigte Teppich gab unter seinen Schuhen weich nach, gab ihm fast das Gefühl, auf Watte zu wandeln. Das sollte sicherlich der Effekt sein. Jim machte ein Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen und schwor sich, dass bei ihm niemals Teppich ausliegen würden. Zumindest nicht so sinnlos.
Im ersten Stock führte ein langer, leblos wirkender Flur an den Schlafzimmern vorbei. Das ihrer Eltern ... Elisabeths ... seins. Es befand sich am Ende des Flurs, die große, alte Tür unterschied sich in ihrem Aussehen nicht von den anderen, aber es ging eine Art Kälte von ihr aus. Zumindest wirkte es so auf Jim. Sein Arbeits- und Schlafplatz zugleich. Ein Hippie-Mädchen in der Schule hatte mal einen Vortrag darüber gehalten, dass Energien durch Häuser und Räume flossen und so auf ihren Besitzer Aufschluss geben würden. Esoterisches Gerede. Erklärungsversuche von gewöhnlichen Menschen für Dinge, die ihr winziger Verstand nicht begreifen konnte.

Jim legte die Hand auf den altbekannten, kalten Metallgriff, während die andere Hand in einer routinierten Bewegung nach unten glitt, um den Schlüssel einzustecken.
Aber da war kein Schlüssel.

Pulsbeschleunigung. Herzstolpern. Kalter Schweiß im Nacken. Aufstellen der feinen Haare an Brust und Armen. All das stürzte so plötzlich auf Jim ein, dass ihm ein wenig zittrig wurde. Mit fahrigen Händen fuhr er seinen Körper hinab, steckte die Finger in die Brust-, Hosen- und Gesäßtaschen. Nichts. Da war ... nichts.
Zwei Herzschläge brauchte er, um die Situation zu analysieren. Er hatte nicht abgeschlossen. Er. Hatte. Sein. Verdammtes. Zimmer. Nicht. Abgeschlossen. Innerhalb eines Wimpernschlags ließ er die letzte Stunde Revue passieren, immer auf der Suche nach dem Moment, als er herausgegangen war. Er hatte die Päckchen fertig gemacht. Dann kamen diese unsäglichen Amerikaner - und ein See aus heißer Lava füllte Jims Magen und ließ ihn saure Galle in seinem Mund schmecken, bei dem Gedanken an dieses Gesocks, diese Maden, diese widerlich ordinären Prototypen eines Menschen, die Schuld waren, Schuld daran, dass er keine Zeit gehabt hatte. Seine Mutter schrie zum wiederholten Male. Er stand auf. Drückte die Schublade mit dem rechten Knie zu. Oder war es das linke? Jim zitterte und die Lava stieg höher, brannte in den Armen und Beinen. Er konnte sich nicht erinnern. Er wusste es nicht mehr. Er zog die Handschuhe aus, die er immer benutzte, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, warf sie in eine Ecke, stand auf, schloss die Tür auf und... ging.

Richtig. Da war kein Abschließen. Kein Schlüssel-abziehen. Kein vertrautes Gewicht in der Hosentasche.
Dreck.

Dass ihm ein solcher Fehler unterlaufen konnte. Die Lava schwappte gefährlich hoch, erreichte den Mund, die Zunge, die heiß und sauer wurde. Er. Ein Fehler. Unglaublich. Nicht möglich.

Kräftig drückte er die Klinke herunter und riss die Tür auf. Da war sein Zimmer. Kühl, ordentlich und minimalistisch eingerichtet, wie immer. Kein unnötiger Schnickschnack an den Wänden, keine grellen Farben, nur kalte Luft, die aus dem gekippten Fenster strömte.
Und ein kleines Mädchen mit geflochtenem Zopf, das gerade an seinem Schreibtisch zugange war.

"Rühr das nicht an!", brüllte er und die Lava kochte auf, ließ alles zu Schatten werden, dunkel, schwarz und rot und brennend schob sie sich vor Jims Augen, bis er nichts mehr sah ausser den Eindringling. "Nimm die Hände da weg, oder ich schwöre, ich werde sie dir abhacken lassen.", setzte er mit zitternder Stimme etwas ruhiger dazu.
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#7
"Verdammt!" fluchte Elisabeth leise, nur zu sich selbst, als sie mit dem Stift abrutschte und dabei nur knapp ihr Bein verfehlte. Um ihr Bein machte sie sich allerdings im Augenblick am wenigsten Sorgen. Sie musste diese Schublade aufbekommen, das war alles was zählte, also würde sie es einfach weiter versuchen. Wieder und immer wieder, bis es endlich funktionierte. Das konnte ja nicht so schwer sein. Das war ein verfluchter Schrebtisch und kein Safe im Buckingham Palace. Sie würde das schon hinbekommen. Sie durfte nur nicht die Nerven verlieren.

Es war überhaupt nicht so, dass sie vorhatte, ihren Bruder zu hintergehen. Keineswegs. Sie hatte ihn gern und sie würde nie etwas unternehmen, dass ihm in irgendeiner Weise schaden könnte, doch sie würde sich nicht so einfach von ihm ausschließen lassen. Hunderte und hunderte von Malen hatte sie schon gefragt was er trieb. Er wusste, dass sie wusste, dass es nicht um irgendwelche Startup-Unternehmen ging, wie er immer behauptete. Ihre Eltern mochten sich vielleicht damit zufrieden geben, wollten nicht sehen, das mehr dahinter steckte, aber sie nicht. Sie würde es herausfinden. Nein. Noch besser. Sie würde ihn dazu bringen, es ihr zu verraten. Sie einzuweihen und vielleicht konnte sie sich dann sogar irgendwie nützlich machen.

Sie wollte ihn unterstützen, nicht ihm im Weg stehen. Die ganze Sache war fürchterlich aufregend und sie hatte das Gefühl, auch etwas aufregendes zu brauchen. Einen Ausgleich zu der ganzen Eintönigkeit, die sonst ihre Tage füllte. Ein bisschen mehr Leben, als Klavier und Ballettstunden. Etwas verbotenes. Nicht immer nur das brave Mädchen sein. Sie brauchte das. Sie würde es auch bekommen und sie würde es noch heute bekommen. Sie musste nur etwas gegen ihn in der Hand haben, dann konnte er gar nicht anders. Dann musste er sie mit einbeziehen. Dann hatte er keine andere Wahl.

Um sie herum nahm Elisabeth schon lange nichts mehr wahr. Weder das laute Geschnatter, das vom unteren Stockwerk noch gedämpft zu ihr hoch drang, noch die Schritte, die sich langsam näherten. Das Einzige, dass sie sah, war diese gottverdammte Schublade und der Kugelschreiber, den sie immer wieder in die kleine Lücke schob und schließlich das erlösene Klacken, auf dass sie die ganze Zeit hingearbeitet hatte, als die Schublade ihr, mit Schwung durch den Hebel entgegen kam.

Sie hielt für einen Augenblick den Atem an, als ihre Augen zum ersten Mal den Inhalt der Schublade erblickten. Hefte, irgendwelche Zettel. Eine Kleine Kassette und - am aller einprägsamsten - eine Pistole, die ihren Blick sofort gefangen nahm. Eine Pistole, er bewahrte hier eine Pistole auf. Sie hatte ja erwartet, dass es nicht mit legalen Dingen zuging und eine Schusswaffe war wohl der definitive Beweis dafür, dass sie mit dieser Annahme recht hatte. Sie waren hier schließlich nicht in Amerika, wo man schon Kindern Waffen in die Hand drückte.

Spitze Finger bewegten sich auf den glatten Stahl zu. Berührten die eingravierte Schrift ganz vorsichtig, nahmen die Pistole in die Hand, als ob sie zerbrechlich wie Glas wäre und erst als sie von hinten zusammengebrüllt wurde, hielt Elisabeth in ihrer Bewegung inne und zuckte unwillkürlich zusammen. Schlecht. Ganz schlecht. Ein überragend ungünstiger Moment. Sie schluckte einmal, ehe sie sich hastig umdrehte und ihr bereits Drohungen entgegengeworfen wurden, die sie allerdings trotz der neuesten Entdeckungen zwar für bedrohlich, aber dennoch nicht ganz ernst gemeint hielt. Hoffte sie jedenfalls.

"Jim!" sprach sie das Offensichtliche aus und starrte ihn einen Moment lang an, ehe sie ein weiteres Mal schluckte. Musste er denn ausgerechnet jetzt hier auftauchen? Musste er wirklich? Hätte er nicht noch ein paar Minuten warten können? "Ich ..." Ja, ich was? "Ich wollte mich bei dir entschuldigen ... " Ja, für das Gespräch am Essenstisch. Inzwischen hatte sich die Liste der Dinge für die sie sich entschuldigen musste wohl um einiges erweitert. So ein Mist. "Deine Zimmertür stand offen, also bin ich einfach hereingegangen" Das hatte er inzwischen sicherlich auch schon gemerkt. Sie redete sich um Kopf und Kragen, dennoch konnte sich das sonst so stille Mädchen kaum zurückhalten und die Worte sprudelten fast nur so aus ihrem Mund. "ich weiß, du hast es nicht gerne wenn ich mich einmische. Ich hab auch eigentlich nur nach dir sehen wollen und dann ... naja" Das musste sie wohl nicht erklären. Sie versuchte ihn mit unschuldigen Augen anzublicken, auch wenn sie bezweifelte, dass die bei ihm auch nur halb so gut funktionieren würden, wie bei ihrem Vater. Dann deutete sie auf die Waffe, die noch immer in ihren Händen auf ihrem Schoss lag. "Ist die echt?" fragte sie als könne sie damit das Thema wechseln. Andererseits durfte sie sich jetzt nicht von ihm einschüchtern lassen. Sie hatte etwas gesucht, dass sie gegen ihn in der Hand haben konnte. Nun hatte sie es gefunden. Im wahrsten Sinne des Wortes.
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Goose von Sherlock: In der sich nächst bietenden Gelegenheit wirst du von einer Hausspinne hinterhältig angefallen.

Scherz... Du hast sie irgendwie irgendwo im Hause oder wo immer du grade warst mitgeschleppt und nun krabbelt sie dir über ein unbedecktes Körperteil, sodass du sie bemerkst und entsprechend reagierst.
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#8
Hämmernder Druck baute sich in Jim auf, die Sehnen in seinem Nacken und Rücken waren blau-gleißende, elektrische Leitungen. Alles war zum Zerreissen gespannt, es tat schon fast physisch weh.

Er stand im Raum, ein paar Meter von ihm entfernt, seine Schwester. Elisabeth fucking Adrey Moriarty. Alles in ihm kochte, brodelte, aber gleichzeitig zum Feuer, das innerhalb von Sekunden in James Moriarty aufgeflammt war, gesellte sich nach und nach auch etwas anderes dazu: kalte Präzision.
Das Mädchen schien verunsichert, überrannt, verwirrt, überrascht. Es war schon fast amüsant, und wäre Jim in einer anderen Situation, hätte er darüber tagelang gelacht. Aber jetzt nicht.
Er machte eine zuckende Bewegung mit dem Mund. Und zu Recht. Sie hatte zu Recht Angst.

Oh, oh. Sie konnte sich glücklich schätzen, dass Sebastian nicht zugegen war. In einem anderen Universum, in dem sein Tiger jetzt an seiner Seite stand, hätte Jim den Befehl "Fass" gebrüllt und befriedigt zugesehen, wie er sie zerriss.
Aus Elisabeth blubberte einen Haufen Schwachsinn, nichts als Ausreden und Blödsinn und Jim empfand einen Ekel, wie er ihn ihr gegenüber noch nie zuvor empfunden hatte. Wie ein Wurm wand sie sich, wusste, dass sie am Ende war, am absoluten Ende.
Jetzt versuchte sie auch noch ihm große Augen zu machen. Wie ein verdammter Hundewelpe saß das zierliche Mädchen auf dem Schreibtischstuhl, der zu groß für sie war, die blasse Haut war noch bleicher als sonst, abgesehen von den roten Wangen, die eine Art innere Panik in ihr verrieten.

Ein tosendes Rauschen, wie das einer Welle, die im Begriff ist aufzuschlagen, schob sich in Jims Wahrnehmung, in seine Ohren, seinen Kopf, und begann, das dumpfe Blubbern der Lava zu übertönen. Die Flut kam. Und mit ihr das kalte, dunkle Meer, eine Art innere Ruhe, eine Kühle. Jim wurde wieder Herr seiner Sinne, nur langsam, aber er wurde es.
Er atmete tief ein und hob die Schultern um das Gefühl von Blei in seinem Nacken zu vertreiben.
Sie wollte nur nach ihm sehen? Jim verzog das Gesicht und lachte laut, bellend, hart auf.

"So. Du wolltest nach mir sehen.", sagte er und schluckte hart, um die letzten Brocken Wut herunter zu zwingen, die heiße Lava in das kühle Meer zu schieben.
"Und dabei bist du zufällig in mein Zimmer gestolpert und hast meine Privatsphäre verletzt?" Unwillkürlich musste er daran denken, wie er neuen Kunden immer deutlich machte, dass er seine Privatsphäre schätze. Sehr schätzte. Es war immer eine Drohung, hübsch verpackt in feine Worte, dass die Ratten keine Angst bekamen. Sein Blick wurde langsam wieder klarer. "Und meine Schublade aufgebrochen, ja?"

Rhetorische Fragen die keine wirkliche Antwort verlangten. Die Situation ließ nichts anderes zu. Die Schublade seines Schreibtischs stand offen, ein paar lose Papiere standen heraus. Jim erkannte seine feingliedrige schrift darauf, den Schwung, den er den Anfangsbuchstaben gab. Ein Kugelschreiber lag auf dem sonst ordentlichen Boden. Hatte diese Mistmade doch tatsächlich seine Schublade aufgebrochen. 

"Ist die echt?", fragte Elisabeth und meinte die Walter PKK, die in ihrem Schoß lag. Sebastian hatte sie ihm empfohlen. Zuvor hatte er eine andere, aber der Soldatenjunge hatte recht - Die Walter PKK schmiegte sich beinah an, ihr Stahl war kühl und angenehm, sie schoss sehr gut. Das hatten sie bei ein paar Hasen auf dem Hof ein paar Stunden außerhalb von London getestet. 

Jim legte den Kopf schief und lächelte sie an. Ob sie sein Lächeln, das beruhigend und versöhnlich aussehen sollte, auch als solches aufnahm, wusste er nicht. Noch übte er sich in Ausdrücken, die er nicht empfand, und er wurde besser. Vielleicht blitzte der tiefe, ehrliche Wunsch, sie zu verletzen noch heraus.
"Nun, Elisabeth.", sagte Jim leise und schob die Tür hinter sich mit dem Fuß zu. Dabei betonte er jede Silbe einzeln, sehr dunkel, sein irischer Akzent legte sich über das gewöhnlich-affektierte Englisch. E-lis-a-beth.
"Was du da in den Händen hältst, ist eine Walter PKK."
Er ging schlendernd auf sie zu, hob eine Hand, als würde er zu einer Erklärung ansetzen. "Und, deine Frage, ob sie echt ist, ist berechtig - eine kluge Frage.", lobte er und grinste. So wie er bei ihr war, griff er nach der Waffe. Sofort verzischte auch das letzte bisschen Blindheit, das die Wut in ihm heraufbeschwor, was sie immer tat, diese blinde Zerstörungswut, die alles zermalte, was ihn umgab. Das kühle Stahl blieb erstaunlicherweise immer kalt. Egal, wie lang man die Waffe in den Händen hielt. Jim liebte das.

Langsam hob er sie hoch, wog sie in der Hand hin und her, glitt mit der Fingerspitze über die Inschrift, wie es schon seine Schwester zuvor getan hatte. "Ich weiß nicht ...", sagte Jim gedankenverloren, lächelte und hob die Waffe hoch, mit gestreckten Arm.

Genau an Elisabeths Schläfe.
Das entsichernde Klicken ertönte.
"Möchtest du es herausfinden? Nein?" Er legte den Kopf schief und leckte sich über die Lippen. In 2 Minuten hätte Claire die Hausbegehung abgeschlossen. "Dann geh jetzt wieder runter. Du hast eine Minute. Geh runter und tu, als hättest du nie etwas gesehen."
It is not my intention to be fulsome, but I confess that I covet your skull.
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#9
Okay. Gut. Möglicherweise war sie hierbei ein klein wenig zu weit gegangen. Das war sie ja bereit zuzugeben. Nein, eigentlich nicht. Sie war bereit zuzugeben, dass es dumm von ihr war, sich einfach erwischen zu lassen. Aber an der Sache selbst sah sie nichts falsches. Doch sie sah ein, vielleicht in seinen Augen ein wenig zu weit gegangen zu sein, was ihrer Sache nicht gerade zuträglich war. Naja zumindest noch nicht. Nicht in diesem Augenblick.

Jim war wütend. Das musste er gar nicht sagen. Jede Phaser seines Körpers erzählte die Geschichte seiner Wut. Er war wütend aber ruhig. Das war sicherlich nichts gutes. Wenn er seine Tobsuchtsanfälle bekam und das ganze Haus zusammen schrie war das auch nichts gutes, aber damit konnte sie umgehen. Das hier war eine ganz neue Form der Wut, die sie wohl lieber nicht auf sich gezogen hätte. Andererseits, war es dafür wohl nun eh zu spät, also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen, als sie ihm antwortete. Schlimmer machen konnte sie es jetzt ja wohl kaum noch.

"Nein James" begann sie also mit festerer Stimme als sie erwartet hatte und versuchte seinem alles einnehmendem Blick aus den dunklen Augen, die in diesem Licht fast schwarz wirkten, irgendwie standzuhalten. "Nicht zufällig" Ja, so schlau war er sicher auch schon. Aber es machte ohnehin keinen Sinn, sich weiter herauszureden. Er hatte sie erwischt und damit wusste er schon, aus welchen Gründen sie hier war. Sie hatte ja nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie wissen wollte, was er tat. "Ich bin reingekommen, weil die Tür offen stand. Und weil du Geheimnisse hast." Sie atmete einmal tief durch. "Aber ich verstehe nicht warum du Geheimnisse hast. Warum vor mir? Was habe ich jemals getan um dein Misstrauen zu ernten?" Gut, das war vielleicht etwas melodramatisch ausgedrückt, aber es stimmte. Er konnte ihr doch vertrauen, wieso nur sah er das nicht?Weil du gerade in sein Zimmer eingebrochen bist und seine Sachen durchwühlt hast, du dumme Gans meldete sich eine Stimme in ihrem Kopf, die sie aber einfach beiseite schob. Das war das erste Mal, dass sie etwas derartiges getan hatte und selbstverständlich würde sie niemandem davon erzählen, was sie hier gefunden hatte. Den Schlüssel würde er trotzdem nicht zurück bekommen.

"Bitte James" sagte sie, inzwischen mit deutlich leiserer Stimme. Mit jeder Sekunde die er so ruhig da stand verschwand ein wenig des Mutes, den sie soeben noch so kräftig gespürt hatte. "Schließ mich nicht aus." Das waren auch schon die letzten Worte, die sie an ihn wand, bevor er auf ihre Frage einging, die sie im Nachhinein wohl lieber nicht gestellt hatte, war er doch schon dabei nach der Waffe auf ihrem Schoß zu greifen. Sie ließ ihn gewähren. Sie konnte damit ohnehin nicht umgehen und wäre im Augenblick auch sicher nicht so dumm, ihn mit seiner eigenen Waffe zu bedrohen. Oh, sie hatte doch eine theoretische Möglichkeit gefunden, es noch schlimmer zu machen. Eine die sie ablehnte. Da konnte man doch dran festhalten.

Als er die Waffe schließlich auf sie richtete sog sie scharf die Luft ein. Starrte ihn an und wagte es nicht zu blinzeln. Das leise Klicken jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken. Eigentlich glaubte sie nicht, dass er wirklich vorhatte sie zu erschießen, aber er hatte recht. Das wollte sie lieber nicht ausprobieren. Nicht jetzt, wo er sie mit diesen Augen anstarrte wie er sie noch nie angesehen hatte. Sie schüttelte den Kopf und stand langsam auf, hielt die Luft an, während sie an ihm vorbei zur Tür ging. Sie würde seine Anweisungen befolgen und herunter gehen. Kein guter Zeitpunkt um weiter darauf herumzureiten, doch dieses Gespräch war noch nicht vorbei. Nicht für immer und nicht für heute. Aber sie würde ihm etwas Zeit geben, um sich wieder zu beruhigen. Und sich selber auch.

Erst, als sie die Tür hinter sich gelassen hatte, traute sie sich wieder Luft zu holen Ihr Herz hämmerte nur so gegen ihre Brust und sie war nicht mal sicher ob aus Angst oder auch ein klein wenig aus Freude, weil sie in der Sache weiter gekommen war, doch das spielte auch keine Rolle, hatte es ja den selben Effekt. Eilig ging sie die Treppe runter und schloss wieder zu ihren Eltern und den Gästen auf.

"Da bist du ja Liebes. Wo ist dein Bruder?" fragte ihre Mutter als sie wieder da war ohne ihr auch nur die Chance zu geben, sich einen Moment lang zu entspannen. "Er ... er ist" Ihre Stimme war heiser, also  räusperte sie sich kurz, atmete einmal tief durch. "Er ist oben" sagte sie so selbstsicher sie konnte. "Aber ich bin sicher, er kommt gleich wieder herunter. Musste wohl noch was für die Schule machen." Normalerweise war sie gut im Lügen. In diesem Augenblick war sie sich allerdings nicht sicher, ob ihre zittrige Stimme sie nicht verraten würde, doch ihre Mutter ging nicht weiter darauf ein. "Wir hatten gehofft, dass du vor dem Hauptgang noch etwas für und spielen könntest Libby." Ah, das Thema wieder. Doch vielleicht war das gar nicht so schlecht. Das spielen entspannte sie immer.

Statt sich mit ihrer rauen Stimme zu verraten nickte sie nur stumm und setzte sich an das Klavier im Wohnzimmer, in dem die Führung gerade geendet hatte und wo Aperitifs auf dem Tisch standen. Abermals atmete sie durch, langsam und tief, ehe sie ihre Finger über den Tasten schweben ließ. Sie zitterten furchtbar doll und doch taten sie, was sie sollten, als sie langsam "Paschelbels Canon" zu spielen begann
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Goose von Sherlock: In der sich nächst bietenden Gelegenheit wirst du von einer Hausspinne hinterhältig angefallen.

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#10
"Verzeihung."
Jim schob gut gelaunt seinen Stuhl zurück und setzte sich in einer sanften, fast beflügelten Bewegung.
Die Wut ... sie war noch irgendwo in ihm. Irgendwo kochte noch, aber nur  sehr tief in seinem Inneren, nur noch sehr schwach. Die Kälte hatte ihn beinah wieder in Griff. Auf jeden Fall war er nun rationaler. Gelassener. Er konnte seinen Verstand wieder benutzen, Herrgott. Sein kostbarer Verstand.

Nachdem Elisabeth aus dem Zimmer war, hatte Jim die Waffe in die Hand genommen und sich den kühlen Griff gegen die Stirn gedrückt. Solange, bis er das Gefühl hatte, die Kälte war durch seine Haut gekrochen und legte sich um ihn. Bis er selbst wieder wie die Walter PKK war: Kalt, glatt, zielsicher.
Dann hatte er sie zurück in die Schublade gelegt, beinahe zärtlich, wie man ein Kind zu betten pflegte, besah sich den Schaden, die Elisabeth hinterlassen hatte, nahm sein Buch und trug die erledigten Aufträge nach. Als er den letzten eingetragen hatte, wirkte nichts mehr an seiner Schrift zu groß oder gehetzt. Beim Verlassen des Zimmers fiel ihm auf, dass er die Tür nicht abschließen konnte - weil der Schlüssel fehlte. Er steckte nicht innen an der Tür, wo er bei dem geistigen Durchspielen der Situation zuvor noch gesteckt hatte. Er war fort. Und Jim hatte eine Ahnung, wo er war.

"Ich war - verhindert.", erklärte sich Jim, nahm schwungvoll die Stoffserviette, die auf seinem Tisch lag und breitete sie über seinem Schoß aus. "Mutter, hast du unseren Gästen auch die Büste von Großvater gezeigt? Sie ist sehr eindrucksvoll, sehr fein gearbeitet.", setzte er, an die Amerikaner gewandt, hinterher.

Das Essen verlief ansonsten reibungslos für Jim. Er beteiligte sich mehr als sonst am Gespräch, aber riss es nicht an sich. Er war der vergnügte, höfliche, gebildete Fünfzehnjährige, der er sein sollte. Vielleicht hatte er eine etwas affektierte Art zu reden, würden die Amerikaner später sagen, aber so war ja die ganze Familie. Ansonsten ein sehr einnehmender und gut erzogener Junge.
Zwischen Hauptspeise und Dessert drehte Jim den Kopf nach rechts, lehnte einen Arm auf der Tischplatte auf und stütze das Kinn auf den Handrücken. "Elisabeth,", sagte er, seine Stimme war sanft und samtig, "wie geht es eigentlich mit deinem Ballett? Hast du das Solo bekommen?" Er war vergnügt, gerade zu in Bestlaune. Aber seine Augen wirkten anders, wenn er seine Schwester ansah. Irgendetwas war unter dem zärtlich-zugewandten Blick.

Nach dem Dinner zogen sich die Erwachsenen zurück. Zum Digestif. Sie wanderten in das "Herrenzimmer" und ließen die Kinder am Esstisch zurück.
Jim schob den Stuhl in einer ruckartigen Bewegung vom Tisch und sah Elisabeth an. Lange. Dunkel. Und er lächelte.
Er lächelte, weil er wusste, wie er sie bestrafen konnte. Sie hatte sich mit Jim angelegt - und nun würde er ihr zeigen, was das hieß. Warum sie sich das nie wieder trauen würde. Nachdem er sie so lange schweigend betrachtet hatte, stand Jim, immer noch ohne ein Wort auf, und verließ das Zimmer.

Elisabeth würde ihm folgen, da war er sicher. Sie würde ihm folgen. Wenn sie nicht zu verängstigt wäre - aber nein, entschied Jim sich, während er durch die verlassenen Hallen und Gänge des Hauses streifte, nein, ihr innerer Drang, sich zu erklären - oder gar Jim weiter zu befragen - wäre stärker als ihre Angst. Sie würde kurz am Tisch sitzen bleiben und mit sich kämpfen - und dann würde sie ihn suchen kommen. Jim hoffte, dass er bis dahin gefunden hätte, was er seinerseits suchte.
Jim wusste, wonach er suchte. Er wusste nur nicht, wo er suchen sollte.

"Kssst.", zischte er leise, als er die dunkle Bibliothek betrat. "Ksst." Ein zögerndes Miauen war die Antwort. Jim blieb stehen und grinste. "Kssst.", machte er nochmal und ging vorsichtig in die Hocke.
Die verfetteten, trüben Augen der Katze blitzen im Dunkeln. Sie schien verunsichert, ob sie auf ihn zugehen sollte oder nicht. Um ihrer Verunsicherung Ausdruck zu verleihen, miaute sie nochmal, tappte dabei aber einen Schritt vor.
"Komm, Miezie.", sagte Jim und gab sich Mühe, seine Stimme gurrend und harmlos und freundlich klingen zu lassen. "Komm, du blödes, nutzloses Ding." Die Katze tat noch einen Schritt nach vorne. Jim streckte die Hand aus und rieb Daumen, Zeige- und Mittelfinger aneinander. Er war sich nicht sicher, weshalb er das tat - irgendwie schien es das zu sein, was Menschen taten wenn sie Tiere anlocken wollten. Das war das erste Mal in Jims Leben, dass er ein Tier anlocken wollte. Und dann war es auch noch diese verwöhnte Karikatur einer Katze.
"Du blödes Stück verschwendetes Leben.", gurrte Jim und die Katze kam näher. Er konnte sich nicht einmal an ihren Namen erinnern. Glöckchen? Lisa? Prinzessin Anne? Es war furchtbar egal. Jim zog die Augenbrauen zusammen bei dem Gedanken, dass sie überhaupt einen Namen hatte. In seiner Welt sollten nur Dinge einen Namen haben, die es auch verdienten.

"Ja ... Ja, das ist gut.", schnurrte Jim, als die Katze mit ihrer Schnauze seine Hand berührte. Ihre Schnauze war sehr kühl, aber ihr Fell warm und flauschig. Widerlich.
"Du hast in deinem Leben sicher noch nie eine einzige Maus gefangen, oder?" Er hatte schon einige Mäuse gefangen. Und Ratten. Die Katze umstrich seine Beine und Jim musste sich mit einer Hand nach hinten abstürzen um nicht in seinem unsicheren Stand in der Hocke einfach um zufallen. "Du bist einfach nur eine dumme, widerliche Prinzessin, die sich fett frisst und wahrscheinlich nicht mal denken kann. Nicht mal wenn du wollen würdest." Seine Finger fuhren durch das flauschige Fell, kraulten sie hinter den Ohren. "Wahrscheinlich tu ich dir einen Gefallen. Naja." 
Jim zuckte mit den Schultern und schob zwei Finger unter ihr feines Halsband. "Mir tu ich auf jeden Fall einen damit." Damit hob er sie ruckartig hoch. Ein lautes Knacken verriet ihm, dass etwas gebrochen war. Er hob die Katze - bei Gott, sie mochte ja gerne zehn Kilo wiegen - hoch und besah sie sich im Dunklen. Etwas Leben glimmte noch in ihren Augen, aber viel war da nicht mehr.
Whoopsie Daisey.

Jim nahm sie in beide Hände und hob sie so weit wie es ihm möglich war vor sich, während er mit ihr zum Wintergarten ging, an den der Pool angrenzte.
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